CO2-Ausgleich vs. Sammelform

CO2-Ausgleich vs. Sammelform

Klimaneutrales Drucken gehört für viele Unternehmen, genauso wie die Verwendung von nachhaltigen Papieren, bei Druckprodukten zum guten Ton. Das belegt auch die zehnprozentige Steigerung der kompensierten CO2-Menge bei Printaufträgen vom ersten Quartal 2013 zum ersten Quartal 2016, über die im aktuellen Jahresbericht des bvdm. zu lesen ist. Laut Bundesverband Druck und Medien ist heute die Klimainitiative der Druck- und Medienverbände ein vielbeachtetes Instrument des Klima- und Umweltschutzes.

Wir fragen uns: Ist das nur Makulatur? Nach einer Bestellung in der Online-Druckerei jedenfalls könnte man das meinen.

In Vorbereitung eines Presse-Events für einen unserer Kunden bestellten wir sechs Druckprodukte, jeweils in 100er Auflage. Von allen Druckaufträgen kam zu viel Auflage an. Teilweise viel, viel, viel zu viel. Von den darunter befindlichen Pressemeldungen in DIN A4, 1-seitig und 4-farbig bedruckt geschätzt mehr als die 30-fache Menge. Zuerst einmal sind wir heilfroh, dass alle Druckaufträge an uns geliefert wurden. Unser Kunde ist in Sachen Nachhaltigkeit sehr sensibel und wir hätten ganz schön argumentieren müssen, wenn er diese Übermenge gesehen hätte.

Und wir? Wir fühlen uns angesichts der Produktion für die Tonne auch nicht wohl. Trotz Zeiten der voll automatisierten Workflows und des Drucks über Sammelform wäre es schön wenigstens annähernd an die bestellte Auflage heranzukommen. So einen halben Baum wegzuwerfen ist in Zeiten des CO2-Ausgleichs, der heute auch in jeder Online-Druckerei geleistet werden kann, nicht toll. Klimaneutrales Drucken jedenfalls wird hier absurdum geführt. Die gelieferte Übermenge hat bei Druck und Transport sicher mehr CO2 verbraucht, als wir jemals mit unseren Aufträgen gespart hätten.

Kein gutes Signal in Sachen „Print“ finden wir. Angesichts der gelieferten Übermenge ist ein einzelnes DIN A4-Blatt so gar nicht mehr wertig – geschweige denn umweltfreundlich produziert.